Von Funksprüchen, Helmpflicht und fehlenden Stagehands

Mein Production Day - von Jonella Baur

Noch bevor der erste Hahn kräht, treffe ich mich mit Phil Nünlist, dem Produktionsleiter von 360° Show Production im Hallenstadion – Showday!

Ruhig ist es, so früh am Morgen und leer. Dass ein paar Stunden später hier Bühne, Licht-Spektakel und Surround-Anlagen stehen werden, ist im Moment noch nicht zu erahnen.

Erste Menschen treffen ein, der Head-Rigger und der Elektriker zum Beispiel, der sich sogleich an den riesigen zusätzlich bestellten Stromkabeln zu schaffen macht. Wir machen einen kleinen Rundgang auf der Suche nach falschgelieferten Gipfeli, treffen auf das Catering-Team, das sich um das Frühstück der Crew kümmert, auf die Infra-Truppe, die eine Eishockey-Spieler-Garderobe in Windeseile in eine Künstlergarderobe mit Teppich, dimmbarem Licht und Schminkspiegel verwandelt. Dann der erste Kontakt mit dem Tour-Manager des Künstlers, ein paar Details werden besprochen, das meiste ist aber schon geregelt und klar. Ein zweiter Funk wird an den Kleidern des Produktionsleiters installiert, immer, überall und für alle erreichbar, auf Kanal 1.

„Mit der Zeit lernst du, die unwichtigen Sachen auszublenden, bei den halbwichtigen mitzuhören und auf die wichtigen umgehend zu reagieren“, verspricht mir Phil.

Eine Stunde später wuselt es im Hallenstadion nur so von Helfern, sogenannten Stagehands, und Riggern. Seile fallen von der Decke, Motoren werden angehängt, zig-stöckige Soundanlagen in die Höhe gezogen. Zwei Stagehands fehlen, zwei andere werden organisiert, die kurz darauf auch eintreffen. Die Bodenplatten knarren unter dem Gewicht der einfahrenden Trucks. Im Eiltempo werden Kisten und Cases ausgeladen. Truck raus, nächster Truck rein. Es herrscht Helmpflicht!

Das heute ist eine kleinere Produktion. Kurz nach Mittag sind die meisten Boxen gehängt, die Lichtshow läuft, Instrumente werden gestimmt und der Künstler sieht sich seine heutige Bühne  ein erstes Mal aus der Nähe an. Kleine Anpassungen werden gemacht, Sachen geflickt, Details ausgebessert. Der Runner organisiert mit viel Geduld noch einen Tesa-Film, ansonsten aber sind alle vertieft in die Vorbereitungen für die Show. Kurz vor dem Einlass der Zuschauer bricht noch einmal Hektik aus. Ein Gerät ist kaputt, der Techniker mit dem Schraubenzieher am Werk. Der Soundcheck zieht sich in die Länge, können die Türen rechtzeitig geöffnet werden?

Kurz vor der offiziellen Türöffnung dann Entwarnung. Künstler und Band sind zufrieden und fertig mit den Proben. Sie ziehen sich in den Backstage-Bereich zurück und überlassen den Innenraum den hereinströmenden Zuschauern. Pünktlich um 20 Uhr springen die ersten dann von den Sitzen, als der Künstler die Bühne betritt und mit einem Sound- und Licht-Spektakel die Massen zum Singen und Tanzen bringt.

Unmittelbar nachdem sich die Band zum letzten Mal vor den Standing Ovations verbeugt hat, werden die Zuschauer freundlich aber bestimmt aus der Halle bugsiert. Die Security-Helfer beginnen in der gleichen Sekunde mit dem zusammenstellen der ersten Stuhlreihen. Die Instrumente werden auseinander geschraubt, in die vorgesehenen Cases verstaut. Es ertönt ein lautes „Ok“, für den ersten Rigger in den unglaublichen Höhen des Hallenstadion-Dachs das Zeichen, dass er das leere Seil wieder hochziehen kann. Weiter zum nächsten Trasse. Und dann fährt auch schon der erste Truck ein. Mit einem kurzen Spurt und viel Schwung werden die schweren Kisten über die Rampe in den Anhänger befördert, organisiert und befestigt. Bühnenplatten werden abgebaut, Garderoben wieder zurück gebaut, Eisflächen freigelegt. Nach knapp 2 Stunden ist alles wieder Eishockey-Stadion - und nicht mehr Konzerthalle. So schnell geht’s.

 

Danke Phil Nünlist für den spannenden Tag, bei dem du mir eine tolle Einsicht in euren Alltag als Produktionsleiter gegeben hast. Bis zur nächsten Show!